Vom Banker zum Online Marketing-Rookie

Beat Sutter gibt seinen Job bei der Berner Kantonalbank auf, um künftig mit Suchmaschinen-Optimierung und Online-Werbung KMUs zu beraten. Den Weg zu diesem New Business, erklärt der 50+ Digital Immigrant im Interview.

Foto von Beat Sutter
Beat Sutter

Beat Sutter, sie haben eine Banklehre absolviert und bereits in jungen Jahren Führungsaufgaben wahrgenommen?

Das stimmt. Für die einstige Lisca-Leasinggesellschaft der Kantonalbanken baute man damals in Bern die Bereiche Autoleasing und Privatkredit auf, dort war ich mit dabei. Wir waren schon damals alles Entrepreneurs (schmunzelt). Danach machte ich einen Abstecher in die Papeterie-Branche als Produkt Manager, bevor ich vor 20 Jahren wieder bei der Kantonalbank einstieg. Das war eine ganz tolle Zeit, wissen Sie. Es herrschte Aufbruchstimmung, motivierte Menschen arbeiteten dort, die etwas bewegen und Ziele erreichen wollten. Das war für mich als junger Marketer ein ideales Umfeld, um mich mit Kundenbindungs- und Akquisitionsmassnahmen, sowie der systematischen Verkaufsführung zu beschäftigen.

Wie sah denn ihr Job im Marketing damals aus? 

Die Niederlassungen waren sehr selbständig und damit auch verantwortlich für die Marktbearbeitung vor Ort. Kundennähe war für uns das oberste Gebot. Wir im Marketing sorgten als Dienstleister für Unterstützung bei Kundenveranstaltungen, Direktmarketing und POS-Massnahmen. Quasi der Butler-Service für die damaligen Filialen. Ich war täglich im Austausch mit den Niederlassungsleitern und dem Regionenleiter. 

Ist das heute nicht mehr so? 

Nein, zum einen gab es organisatorische Veränderungen im ganzen Unternehmen und andererseits habe ich mich beruflich auch weiterentwickelt. Ich habe 2014 nach mehr als 1000 Kundenevents in 15 Jahren die Stabsstelle Marketing verlassen und den Wechsel an die Front vollzogen. Mit einer Crew von mehr als 15 Personen im Retail Banking, also dem Massengeschäft mit Privatkunden, setzte ich das um, was ich die Jahre zuvor immer propagierte.

Erwähnenswert erscheint mir an diesem Punkt, dass wir in Thun bereits 2003 der laufenden Veränderung im Banking Rechnung getragen haben, indem wir Partner in Form eines Blumenladens, eines Mobilfunkanbieters sowie eines Cafés in die Schalterhalle integrierten, was bis heute für eine Belebung durch zusätzliche Besucherfrequenzen sorgt. 

Was war die grösste Herausforderung bei der Rückkehr an die Verkaufsfront?

Die Software zum Abwickeln der Transaktionen und Prozesse war neu für mich. Die Einarbeitung nahm einige Zeit in Anspruch. Als iPhone- und Mac-User bin ich mir intuitive Benutzeroberflächen gewohnt. Rhetorische Fragen: Haben Sie bei ihrem iPhone schon mal eine Bedienungsanleitung gelesen (lacht)? Sie verstehen, ohne Bedienungsanleitung war ich verloren und das war hart.

Wie haben Sie die Berner Kantonalbank in den letzten Jahren seit der Finanzkrise erlebt?

Mein Team hat sich in dieser Zeit noch mehr auf die Kunden in unserer Filiale und damit auf das fokussiert, was wir selber beeinflussen konnten. Wenn draussen dunkle Wolken vorbeiziehen und starker Regen fällt, sollte man drinnen bleiben und sich vor dem Unwetter schützen. Die Vision des zukünftigen Bankings haben wir für uns proaktiv selber im Team visualisiert und diskutiert. Das hat die Angst vor der unbekannten Zukunft gelindert oder ganz abgebaut. Den ersten Chatbot der Postfinance haben wir vor einem Jahr bereits an unserem Teammeeting demonstriert und besprochen. Heute setzen wir mit Klara auch erstmals einen eigenen Chatbot ein. 

Weshalb verlassen Sie den jetzt plötzlich die Berner Kantonalbank?

So plötzlich ist das nicht (überlegt). Ich habe schon immer neueste Möglichkeiten schnell ausprobiert und wenn möglich adoptiert. Online Marketing hat mich so fest überzeugt, dass ich mehr Zeit damit verbringen will. Stellen Sie sich vor, noch nie war es für kleine Unternehmen so zugänglich wie heute, gezielte Kundenansprachen zu machen. Eine lokal tätige Kleinunternehmung kann von Werbung und Präsenz in den Suchmaschinen ebenso profitieren, wie ein börsenkotierter Grossbetrieb. Diese Entwicklung will ich mitgestalten, und zwar jetzt.

Was machen Sie denn konkret?

Zusammen mit anderen Online Marketing-Spezialisten, werde ich künftig KMU beraten, damit diese von den Vorzügen der Digitalisierung profitieren können. Im Klartext heisst das, wir leiten Ziele ab, konzipieren Kampagnen, optimieren Websites und schalten effektive Online-Werbung.  

Wie haben sie das Arbeiten in zwei verschiedenen Branchen erlebt? Sie haben ihr Pensum bei der BEKB im letzten Jahr reduziert, um im Online-Marketing zu starten. 

Richtig, ich bin der Berner Kantonalbank sehr dankbar für diese Möglichkeit der Pensumsreduktion in einer Kaderfunktion, was heute in der Bank mittlerweile durchaus üblich ist. Sicherlich ist es anspruchsvoller in 4 Tagen die gleiche Qualität zu bieten, wie vorher in Vollzeit. Da muss man immer wieder selber kritisch sein, um wirklich strukturiert vorzugehen und nicht im Mikromanagement unterzugehen. 

Seit Oktober dieses Jahres bekleiden sie auch eine Führungsfunktion im Business-Netzwerk «BNI-Unternehmerteam Stockhorn». Wo finden Sie die Zeit dafür? 

Das BNI-Unternehmerteam ist ein zeitgemässes Netzwerk für Empfehlungsmarketing. Vertrauen und Zuverlässigkeit zeichnen diese Unternehmer aus. Gerade Millennials begeistert diese Art des Marketings durch transparente Zielsetzungen und den Leitsatz, wonach lebenslanges Lernen eine Bedingung für kontinuierlichen Erfolg ist. Man trifft sich frühmorgens zum Frühstück und tauscht Empfehlungen aus, ganz einfach und simpel. Dafür muss es immer Platz haben.

Was ist ihre Vision für die nächsten 5 Jahre? Was wünschen Sie sich heute? 

An erster Stelle eine robuste Gesundheit, um mit Energie und Elan arbeiten zu können. Unsere Full-Service Online Marketing-Agentur wollen wir enkeltauglich weiterentwickeln, damit wir der Crew (u.a. den anspruchsvollen Millennials) auch in Zukunft attraktive Jobs bieten können. Für unsere Kunden will ich ein vertrauensvoller und verlässlicher Partner sein, der sie in die Zukunft begleitet. 

Beat Sutter (Jg. 1966) ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Interview vom November 2018.

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